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Zukunft der Arbeit in der digitalisierten Welt

NRW-Institute gründen „Plattform Arbeitsforschung 4.0“ - Ministerinnen Nahles und Schulze zu Gast in Gelsenkirchen bei IAT und FGW

Pressemitteilung vom 19.05.2016
Redaktion: Claudia Braczko

In die Diskussion um die „vierte industrielle Revolution“ wollen sich die Arbeitsforscher in NRW aktiver einbringen. In Gelsenkirchen trafen sich am 19. Mai Wissenschaftler aus mehreren einschlägigen Instituten, um mit Blick auf die Folgen und Chancen der Digitalisierung die Kompetenzen und Zukunftsbaustellen der Arbeitsforschung in NRW auszuloten. Auch die Politik diskutierte mit: Die Bundesministerin für Arbeit und Soziales, Andrea Nahles, und die Ministerin für Innovation, Wissenschaft und Forschung des Landes NRW, Svenja Schulze, waren zu Gast bei der Veranstaltung, zu der das Forschungsinstitut für gesellschaftliche Weiterentwicklung (FGW) und das Institut Arbeit und Technik (IAT) eingeladen hatten.

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Arbeitspolitische Themen standen im Mittelpunkt der Veranstaltung am Institut Arbeit und Technik: NRW-Wissenschaftsministerin Svenja Schulze, IAT-Direktor Prof. Dr. Josef Hilbert, Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles, MdL Heike Gebhard und MdB Joachim Poß. Foto: Braczko/IAT

Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles: „Die Digitalisierung wird die Arbeitswelt und die berufliche Zukunft vieler Menschen stark verändern. Die Politik, Arbeits- und Sozialpolitik im Besonderen, muss die Beschäftigten in diesem Wandel erreichen, mitnehmen, unterstützen. Wenn wir wirklich abschätzen wollen, was in den kommenden Jahren auf uns zukommt, geht das nur mit Hilfe einer exzellenten und empirie-basierten Forschung. Die Arbeitsforschung in NRW leistet hier einen ganz wichtigen Beitrag. Denn sie zeigt Wege auf, wie Mensch und Maschine in Zukunft zusammenarbeiten; und sie leistet damit einen entscheidenden Beitrag dazu, Akzeptanz zu schaffen und Regeln zu definieren.“

„Die Chancen unbedingt nutzen aber die Risiken im Blick behalten – dieser Spagat muss uns beim Thema Wirtschaft und Arbeit 4.0 gelingen, damit unsere Unternehmen langfristig erfolgreich bleiben und die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer einen erfüllenden Beruf ausüben können‟, sagte Ministerin Schulze. „In NRW haben wir eine große Bandbreite bei den Arbeitswissenschaften. Die Vielfalt und die Qualität der Institute in unserem Land ergeben intelligent vernetzt ein enormes Potenzial, um die Arbeitswelt der Zukunft zu gestalten.‟

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Das Publikum im Plenarsaal hörte der Diskussion interessiert zu. Foto: Peter Braczko

Zur Digitalisierung der Arbeitswelt und ihren Herausforderungen für eine sozial verträgliche und wirtschaftlich tragfähige Zukunftsgestaltung forschen in NRW verschiedene Institute,  neben dem IAT und dem FGW etwa das Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen, die Sozialforschungsstelle Dortmund, das gemeinsame Fortschrittskolleg der Universitäten in Bielefeld und Paderborn und der Institutscluster für Kybernetik in Aachen.  An einer NRW-Plattform „Arbeitsforschung 4.0“, die die Organisatoren mit der Veranstaltung auf den Weg bringen wollen, sollen auch weitere Einrichtungen wie das Institut für Arbeitswissenschaft an der Ruhr-Universität Bochum u.a. einbezogen werden.

Der Industriesoziologe Prof. Dr. Hartmut Hirsch-Kreinsen vom FGW wies in seinem Vortrag darauf hin, dass es zwar eine intensive Diskussion über soziale Folgen der Digitalisierung und den Wandel der Arbeit gebe, aber bislang kaum valide und systematische Forschungsergebnisse vorliegen. Arbeitsmarkt- und sozialpolitische Risiken, aber auch Chancen wie Bewältigung des Fachkräftemangels und der Alterungsproblematik, neue Regulationserfordernisse für Weiterbildung, Qualifizierung und Mitbestimmung, Gestaltungsoptionen für „gute digitale Arbeit“ gelte es zu erforschen.

IAT-Direktor Prof. Dr. Josef Hilbert hob hervor, dass Arbeitsforschung in Zeiten der Digitalisierung ihren Wert für die Gestaltung von Personalentwicklung, Organisation und Technik verstärkt unter Beweis stellen müsse. Gebraucht werde zum einen ein Ausbau der beruflichen Aus- und Weiterbildung, zum anderen müsse dafür gesorgt werden, dass die Rahmenbedingungen – etwa bei zeitlichen Befristungen oder bei Leiharbeit - so geregelt werden, dass die Arbeitsplätze nicht ins Prekäre abrutschen. „Wir brauchen die Arbeitsforschung aber auch, um Wege zu finden, wie das Wissen und die Erfahrung der Beschäftigten besser für zukunftsfähige Produkte und Dienstleistungen fruchtbar gemacht werden kann. Mitbestimmung ist gefordert, dass die Arbeit sozial verträglich bleibt; aber sie kann auch helfen, dass gute Produkte zustande kommen.“ Insbesondere bei personenbezogenen Dienstleistungen, etwa bei Pflege oder Bildung besteht hier hoher Handlungsbedarf.

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Engagierte Diskussion auf dem Podium: Die Ministerinnen Nahles und Schulze, Prof. Dr. Jürgen Howaldt von der Sozialforschungsstelle Dortmund, Prof. Dr. Hartmut Hirsch-Kreinsen, FGW, und Moderator Prof. Dr. Josef Hilbert vom IAT. Foto: Peter Braczko