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Ruhrbergbau und Strukturwandel

IAT untersuchte Probleme und Potentiale bei der Nutzung ehemaliger Bergbauflächen im Ruhrgebiet

Pressemitteilung vom 04.07.2013
Redaktion: Claudia Braczko

Nach wie vor bereitet die Entwicklung höherwertiger Nachnutzungen von Bergbauflächen im Ruhrgebiet insgesamt, vor allem aber in Emscher- und Lippe-Zone, erhebliche Probleme. In den 1960er Jahren war der Ruhrbergbau mit rund 43.000 ha Flächenbesitz der wahrscheinlich größte Grundbesitzer in Nordrhein-Westfalen. Das ließ den Kommunen im Ruhrgebiet kaum Spielraum, eigene stadtplanerische Ziele und wirtschaftliche Strukturveränderungen erfolgreich auf den Weg zu bringen. Dennoch bieten die Industriebrachen heute einiges Potential, um attraktive Stadträume zu entwickeln, meinen Forscher des Instituts Arbeit und Technik (IAT /Westfälische Hochschule).

Im Rahmen des Projekts CultNature führte das IAT eine umfassende Bergbauflächen-Recherche durch, die die Übertagebetriebsflächen des Ruhrbergbaus aus den zurückliegenden 90 Jahren dokumentiert. Auf dieser Grundlage wurden die aktuellen Nutzungsarten ehemaliger Bergbauflächen in quantitativer und qualitativer Hinsicht bestimmt. Für das Gebiet des Regionalverbands Ruhr (RVR) wurden 12.662 ha ehemaliger und noch aktiver Übertagebetriebsflächen des Ruhrbergbaus ermittelt. Das sind drei Prozent der RVR-Gesamtfläche von 436.000 ha.

In der Flächennutzungskartierung des RVR sind für Bergbauflächen 3.477 ha (27 Prozent) Industrie- und Gewerbe-Nutzung, 3.054 ha (24 Prozent) Grünflächen/ Wald, 1.840 ha (14 Prozent) Brachflächen und 341 ha (3 Prozent) Wohnbebauung ausgewiesen. „Diese Nutzungsverteilung von Bergbauflächen weckt Zweifel daran, dass die Wiedernutzbarmachung von Bergbauflächen im Strukturwandel einen wesentlichen Beitrag zur Schaffung neuer Arbeitsplätze und zu städtebaulichen Akzentsetzungen geleistet hat“, so Dr. Michael Krüger-Charlé, Leiter des Forschungsschwerpunkts „Wissen und Kompetenz“ am IAT.

Die Bergbauflächen-Recherche ist Teil eines Projektes zur nachhaltigen Stadt- und Regionalentwicklung in nordrhein-westfälischen Bergbaurückzugsgebieten. „CultNatuere: BIO-MONTAN-PARK NRW“ wird vom Institut Arbeit und Technik in Zusammenarbeit mit RAG Montan Immobilien und NRW Urban sowie mit Kipar Landschaftsarchitekten und Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus mehreren Hochschulen durchgeführt. Es geht um die Frage, auf welchem Weg und mit welchen Mitteln Industriebrachen, welche die gegenwärtigen Industrieregionen (wie beispielsweise das Ruhrgebiet) zu einer gestörten Landschaft machen, zu Parklandschaften (in Verbindung mit erneuerbaren Energien) und zu attraktiven Stadträumen entwickelt werden können.

Publikation zum Thema:

Krüger-Charlé, Michael / Paul, Hansjürgen / Becker, David
2013: Ruhrbergbau und Strukturwandel: Probleme und Potentiale bei der Nutzung ehemaliger Bergbauflächen im Ruhrgebiet. Internet-Dokument. Gelsenkirchen: Inst. Arbeit und Technik. Forschung Aktuell, Nr. 07/2013 PDF