Titelbild

Das Ruhrgebiet auf Profilsuche für Europa 2020

Diskussion am Institut Arbeit und Technik zur Zukunft der Strukturpolitik in der Metropole Ruhr – Strategien für intelligentes, nachhaltiges und integratives Wachstum

Pressemitteilung vom 18.05.2011
Redaktion: Claudia Braczko

„Das Ruhrgebiet wird auch nach 2013 noch Geld aus Europa erhalten, die Frage ist aber, wie viel und wofür wird es ausgegeben“. Dr. Angelica Schwall-Düren, Europaministerin des Landes NRW, brachte in der Diskussionsrunde des Instituts Arbeit und Technik (IAT) zur „Zukunft der Strukturpolitik im Ruhrgebiet“ das Thema gleich auf den Punkt. Mit der neuen Förderperiode ab 2013 steht eine Neuausrichtung der EU-Strukturpolitik an, die sich künftig stark an der Strategie Europa 2020 für intelligentes, nachhaltiges und integratives Wachstum orientieren wird.

Die damit verbundenen Themen passen perfekt auf die Herausforderungen und Kompetenzen im Ruhrgebiet, so Gelsenkirchens Oberbürgermeister Frank Baranowski in seiner Begrüßung, und er sieht eine hervorragende Gelegenheit, das Ruhrgebiet in Europa zu positionieren. Wie dies aussehen kann, diskutierten (am 12. Mai 2011) rund 50 Vertreter aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik im Wissenschaftspark Gelsenkirchen. Die Veranstaltung wurde vom IAT in Kooperation mit der Staatskanzlei NRW und dem internationalen Studiengang europäische Kultur und Wirtschaft (ECUE) der Ruhr-Universität organisiert.

„Seit 20 Jahren kommen die zentralen Impulse für das Ruhrgebiet aus der europäischen Strukturpolitik“, so PD Dr. Dieter Rehfeld, Direktor des IAT-Forschungsschwerpunkts Innovation, Raum & Kultur. Die Stärke des Ruhrgebiets liege darin, diese Impulse aufzunehmen, mit neuen Strategien und Instrumenten zu experimentieren. „Die Schwäche kommt aber dann zum Tragen, wenn es darum geht, diese Ergebnisse auf eine dauerhafte Basis zu stellen.“ Aus Europa sei lange viel Geld in die Region geflossen, „aber davon zu viel in die Erhaltung, nicht in die Zukunft“, kritisierte Prof. Dr. Uwe Jens von der Ruhr-Universität Bochum. Das informationstechnische Zeitalter habe das Revier bereits verschlafen, Gentechnik und Biotechnik böten jetzt vielleicht neue Ansätze.

Pionier des Wandels

Mit einem „Effizienzumbau der urbanen Struktur“ könnte die Region „zum Pionier des Wandels“ werden, empfahl Thomas Westphal, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung metropoleruhr GmbH. Allerdings müsse man die „ Zukunft besser antizipieren“. Die europäischen Innovationspartnerschaften, so die allgemeine Sicht in der Runde, bieten gute Ansatzpunkte, Innovationen in einer Kette von Akteuren von der Idee bis zum Markt zu treiben. Allerdings: „Das Ruhrgebiet braucht nicht schon wieder neue Institutionen, sondern Projekte, die lernen, selbst zu laufen“, forderte der RUB-Sozialwissenschaftler Prof. Dr. Rolf Heinze. Aus Perspektive vieler Studierender sprach Monika Schönborn vom Masterstudiengang ECUE: Die Region brauche Bildung und Identifikation, und „junge Leute brauchen Planungssicherheit. Die junge Elite wird dahin gehen, wo die Arbeitsplätze der Zukunft sind“.

Mehr als andere Regionen hat das Ruhrgebiet mit Bildungsproblemen und defizitären Kommunalfinanzen zu kämpfen. „Aber Strukturpolitik im Ruhrgebiet kann und sollte nicht die Schwächen anderer Politikfelder kompensieren“, meint der Regionalökonom PD Dr. Dieter Rehfeld. Strukturpolitik im Ruhrgebiet sollte einen immer stärker bündelnden und experimentellen Charakter haben, sollte neue Ideen möglich machen, schlägt er vor. Nach Ansicht der Europa-Ministerin bieten die künftigen Themen und Prioritäten der europäischen Strukturpolitik umfassende Anknüpfungspunkte für eine Profilierung des Ruhrgebiets in Europa, etwa mit sozialen Innovationen, Effizienz und städtischen Entwicklungen. „Dies kann dazu beitragen, dass die europäische Strukturpolitik im Ruhrgebiet auch sichtbar wird“, so Schwall-Düren.

Abbildung Ruhrgebiet

Diskussion um die Zukunft der Strukturpolitik im Ruhrgebiet: PD Dr. Dieter Rehfeld, Prof. Dr. Rolf Heinze, Thomas Westphal, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung metropoleruhr GmbH, Dr. Angelica Schwall-Düren, Ministerin für Bundesangelegenheiten, Europa und Medien NRW, Prof. Dr. Uwe Jens und Monika Schönborn vom Internationalen Masterstudiengang ECUE. (v.L.) Foto: IAT

Für weitere Fragen steht Ihnen zur Verfügung:

Dieter Rehfeld