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Gesundheitswirtschaft trifft Kreativwirtschaft beim Gesundheitskongress des Westens

Auf der Suche nach Synergieeffekten

Pressemitteilung vom 11.03.2010
Redaktion: Claudia Braczko

Gesundheits- und Kreativwirtschaft sind bereits vielfältig verflochten, eine engere Zusammenarbeit könnte jedoch noch beträchtliche Potenziale für Wettbewerbsfähigkeit, Wirtschaftswachstum und Beschäftigung freisetzen: Krankenhäuser brauchen Architekten, die sich in der Branche auskennen, technische Hilfsmittel müssen handhab- und bedienbar designed werden, Presse, Buch und Film helfen bei der verständlichen Vermittlung komplexer medizinischer Sachverhalte. Auf dem Gesundheitskongress des Westens in Essen wurde jetzt eine Studie zu den wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Gesundheits- und Kreativwirtschaft vorgestellt.

Beide Branchen gehören zu den Wirtschaftszweigen mit besonders vielen Arbeitsplätzen in Deutschland – allein im Gesundheitssektor arbeiten rund fünf Millionen Menschen, in der Kreativwirtschaft sind es rund eine Million Erwerbstätige. Insbesondere für fünf Bereiche der Kreativwirtschaft hat der IAT-Wissenschaftler Stephan von Bandemer enge Verflechtungen ausgemacht: Der Werbe- und PR-Sektor, der Architekturmarkt, die Designwirtschaft, die Printmedien sowie die Filmwirtschaft beeinflussen die Gesundheitswirtschaft maßgeblich, wie die Studie zeigt, die das Institut Arbeit und Technik (IAT / Fachhochschule Gelsenkirchen) im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie (BMWi) erstellt hat.

So ist die Werbewirtschaft bereits stark verflochten mit der Pharmaindustrie und der Medizintechnik. Im klassischen Gesundheitswesen gebe es Nachholbedarf, allerdings auch Grenzen durch Werbeverbote. Der Ausbau von Systemlösungen, die z.B. Leistungen von der Diagnose über die Behandlung bis zur Nachsorge integrieren, kann für PR- und Werbewirtschaft neue Perspektiven erschließen. „Besonders gute Entwicklungsperspektiven bestehen in den Bereichen der Kreativwirtschaft, die sich daran ausrichten, Sektor übergreifende Versorgungs- und Wertschöpfungsketten der Gesundheitswirtschaft zu unterstützen“, erläuterte von Bandemer.

Ähnliches gilt auch für den Printbereich und die Filmwirtschaft. Komplexe Sachverhalte entlang der Wertschöpfungsketten müssen an Kunden und Patienten verständlich vermittelt werden. Weitere Trends sieht von Bandemer in der internationalen Ausrichtung der Gesundheitswirtschaft, die es weiter zu forcieren gilt, und der weiteren Verschmelzung von traditionellen Printmedien und Internetangeboten.

Der Architekturmarkt könne deutlich vom Nachholbedarf in Krankenhäusern profitieren, denn Neu- und Umbauten ermöglichen hohe Effizienzsteigerungen. Eine wichtige Entwicklungsvoraussetzung wäre allerdings die Loslösung von öffentlicher Finanzierung für Investitionen. Einen Engpassfaktor im Bereich Architektur bildet der Mangel an spezialisierten Fachkräften mit entsprechenden Branchenkenntnissen.

Nach Einschätzung von Bandemers bestehen vielfältige Chancen, eine engere, branchenübergreifende Zusammenarbeit für Wachstum zu nutzen. So sollten Plattformen geschaffen werden zum Austausch noch nicht ausgeschöpfter Synergiepotenziale, etwa auf den Selbstzahlermärkten, die die Gesundheitswirtschaft mit Hilfe der „Kreativen“ besser ansprechen könnte. Aber auch die Verfügbarkeit von Fachkräften mit Branchenkenntnissen könne zusätzliche Synergien erschließen, wer sich aus Architektur oder Werbung auf Themen der Gesundheitswirtschaft spezialisiert, hat gute Aussichten.

Publikation zum Thema:

Bandemer, Stephan von / Salewski, Kinga / Schwanitz, Robert
2010: Nutzung von Synergien zwischen Gesundheits‐ und Kreativwirtschaft im Hinblick auf Wettbewerbsfähigkeit, Wirtschaftswachstum und Beschäftigung: Abschlussbericht zum Forschungsprojekt Nr. 68/09, erstellt im Auftrag des Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie. Februar 2010. Gelsenkirchen: Inst. Arbeit und Technik PDF

Für weitere Fragen steht Ihnen zur Verfügung:

Stephan von Bandemer