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Die Wellness-Welle braucht Professionalisierung

IAT untersucht Wachstumsmarkt mit Hindernissen

Pressemitteilung vom 05.06.2009
Redaktion: Claudia Braczko

Produkte und Dienstleistungen rund um die Themenfelder „Gesundheit und Wohlfühlen“ werden in den letzten Jahren immer mehr nachgefragt – und auch privat finanziert. 50 bis 70 Milliarden Euro werden jährlich auf dem Wellness-Markt umgesetzt, die 100 Milliarden Euro-Grenze könnte in wenigen Jahren überschritten sein. Zunehmend geht dabei die Tendenz in Richtung der gezielten Prävention und Gesundheitsförderung und damit zur Medical Wellness, die medizinische Leistungen mit Wohlfühlangeboten vereint, zeigen aktuelle Untersuchungen des Instituts Arbeit und Technik (IAT) der Fachhochschule Gelsenkirchen.

„Für die Zukunft des Wellnessbooms und speziell von Medical Wellness wird es entscheidend sein, wie die Herausforderungen des Marktes gemeistert und inwiefern Transparenz und Qualität für die Nachfrager gesichert werden können“, so Sandra Dörpinghaus, wissenschaftliche Mitarbeiterin im IAT-Forschungsschwerpunkt Gesundheitswirtschaft und Lebensqualität. Im medizinischen Wellnessmarkt treffen zwei sehr unterschiedliche Konkurrenten aufeinander: Auf der einen Seite versuchen niedergelassene Ärzte, Krankenhäuser sowie Vorsorge- und Rehabilitationseinrichtungen ein neues Marktsegment außerhalb des Kataloges der gesetzlichen Krankenversicherung zu erobern. Diese Leistungen im Bereich Medical Wellness werden aber auch von nicht-medizinischen Anbietern – von Hotels über Fitnessstudios bis zu Freizeitbädern – vorgehalten.

Die medizinische Expertise, das Vertrauen von Kunden und Patienten wie auch die Infrastruktur etwa von Kurorten könnten dabei Wettbewerbsvorteile bieten. Aber bislang haben sich nur wenige Kliniken um eine systematische Geschäftsfeldentwicklung gekümmert, sowohl das Image als auch die Atmosphäre der medizinischen Einrichtungen entsprechen kaum der Erwartungshaltung von privat zahlenden Hotelgästen, Dienstleistungsbereitschaft und ein professionelles Marketing sind in Krankenhäusern und Rehabilitationseinrichtungen weitgehend unbekannt, stellt Dörpinghaus fest. Für die Zukunft werde es von entscheidender Bedeutung sein, inwiefern die medizinischen Anbieter bereit sind, sich auf die veränderten Marktstrukturen im Medical Wellness Bereich einzustellen.

Die Vorteile der touristischen Anbieter sowie der Sportstudios, die sich im Feld der Medical Wellness betätigen wollen, liegen im Bereich der Entspannungswellness und der alternativen Therapien; in diesem Bereich haben sie sich bereits eine gute Ausgangsposition geschaffen. Sie profitieren von einer Wohlfühl-Atmosphäre und sind damit vertraut, den Nachfrager als Kunden und weniger als Patienten zu behandeln. Um medizinische Kompetenz aufzubauen wie auch Professionalität und Seriosität sicherzustellen, kooperieren diese Anbieter zum Teil mit einer Klinik oder beschäftigen einen Arzt im Hause.

„Im Gegensatz zu den osteuropäischen Anbietern im Gesundheitstourismus kann Deutschland sich nicht durch günstige Preise profilieren, sondern muss seinen Schwerpunkt auf die Qualität der Angebote legen“, so Sandra Dörpinghaus. Wellness Qualitätssiegel mit einheitlichen Kriterien seien notwendig, um für den Nutzer eine Orientierung innerhalb der Angebotsvielfalt sicherzustellen und auch auf dem internationalen Markt konkurrenzfähig zu sein. Eine spezielle Bedeutung komme der Qualifizierung und den Kompetenzen der Beschäftigten zu. Statt einer zukunftsträchtigen Professionalisierung und Qualitätssicherung fänden sich aber derzeit auf dem Weiterbildungsmarkt ungenaue Kurstitel, ungeregelte Berufsbilder und fehlende Standards der Abschlüsse, kritisiert Dörpinghaus.

Es stellt sich darüber hinaus die Frage, ob es der Gesundheitspolitik in den nächsten Jahren gelingt, Medical Wellness weiten Teilen der Bevölkerung zugänglich zu machen. Da fast alles, was mit (medizinischer) Wellness zu tun hat, von den Konsumenten privat finanziert wird, profitierten besonders die einkommensstarken Teile der Bevölkerung von gesundheitsfördernden Produkten und Dienstleistungen. Gleichzeitig würden aber Angebote, die auch den sozial schwächer gestellten der Gesellschaft offen standen (die Kur), systematisch zurückgefahren.

Publikation zum Thema:

Dörpinghaus, Sandra
2009: Medical Wellness - Zukunftsmarkt mit Hindernissen. Internet-Dokument. Gelsenkirchen: Inst. Arbeit und Technik. Forschung Aktuell, Nr. 06/2009 PDF