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In den Sportvereinen werden die Aktiven und ehrenamtlichen Helfer immer älter

IAT: Gesellschaftliche Potenziale in Sportvereinen nutzen! - "silberne Mitarbeit" statt passiver "goldener Vereinsnadel"

Pressemitteilung vom 28.01.2008
Redaktion: Claudia Braczko

Das Altern der Gesellschaft macht auch vor den Sportvereinen nicht halt. Sowohl die sportlich aktiven Mitglieder als auch die ehrenamtlichen Helfer werden in Zukunft deutlich älter sein. Dieser Entwicklung sollten sich die Sportvereine stellen und verstärkt Ältere für “silberne Mitarbeit” gewinnen, anstatt nur passive Mitgliedschaft mit der “goldenen Vereinsnadel” zu würdigen, meinen PD Dr. Josef Hilbert und Peter Enste vom Institut Arbeit und Technik (IAT/Gelsenkirchen).

Die Sportvereine sollten auch ihre Angebote an klassischen, meist wettkampforientierten Sportarten überarbeiten, denn die Konkurrenz durch kommerzielle Anbieter mit flexibleren Trainingszeiten und anspruchsvollem Ambiente nimmt zu, die Nachfrage nach Trend- und Modesportarten steigt und die Ansprüche der Mitglieder an die Qualität der Leistungen machen eine stärkere Professionalisierung notwendig. Ein “Patentrezept”, auf das die Vereine zurückgreifen könnten, gibt es allerdings noch nicht. Oftmals sind individuelle Lösungsstrategien gefragt.

Eine große Chance bieten hierbei Angebote im präventiven und gesund erhaltenden Sport, die auch der Deutsche Olympische Sportbund fördern will. Bislang bieten allerdings nur etwa 10 Prozent der fast 90.000 Sportvereine in Deutschland Programme zur Gesundheitsförderung und Prävention an. Rund 1 Million Menschen nutzt die zertifizierten Angebote, zu denen beispielsweise Programme zur Förderung der Herz-Kreislauf-Funktion, Stärkung des Bewegungsapparates, Sturzprophylaxen oder Entspannungstraining gehören.

Ein großer Teil der Arbeit in Sportvereinen beruht auf bürgerschaftlichem Engagement. Zurzeit leisten ca. 2,7 Millionen ehrenamtliche Mitarbeiter monatlich ca. 20 Millionen freiwillige Arbeitsstunden für die Sportvereine. Eine große Stütze bilden hierbei die gesellschaftlichen Ressourcen der älteren Menschen, die heutzutage älter als noch vor zwanzig Jahren werden. Die Bereitschaft, sich ehrenamtlich zu engagieren, ist mit etwa 40 Prozent bei den “jungen Alten” genauso hoch wie bei der Bevölkerung im mittleren Alter.

Trotz dieser positiven Entwicklung ist die Rekrutierung von freiwilligen Helfern nicht als Selbstläufer zu sehen, denn es wird schwieriger, Freiwillige langfristig zu binden. Die IAT-Forscher empfehlen den Vereinen deshalb eine zweigleisige Strategie: Zum einen müssen bereits aktive Mitglieder im Verein motiviert werden, auch im Alter noch weiter ehrenamtlich aktiv zu bleiben. So können Übungsleiter, die präventive Angebote leiten, entsprechend dem Qualitätssiegel “Sport pro Gesundheit” aufbauend auf der allgemeinen Übungsleiterausbildung die 2. Lizenzstufe “Sport in der Prävention” erwerben. Zum anderen könnten neue freiwillige Mitarbeiter gewonnen werden, die bislang nicht in Vereinen aktiv sind, aber durch ihre vorherige berufliche Qualifikation – etwa als Physiotherapeuten oder Sportlehrer – sehr gut für gesundheitliche Angebote eignen.

Die IAT-Forscher raten u.a. zum Ausbau von kursbezogenen Angeboten, in denen sich ehrenamtliche Mitarbeiter nicht langfristig binden müssen, mehr gesundheitsbezogenen Angeboten speziell für ältere Menschen (z. B. Sturzprophylaxe, Stressbewältigung, etc.) sowie Förderung der Qualifizierung und Qualitätssicherung.