Institut Arbeit und Technik

Der neue Forschungsbereich Raumkapital

Raumkapital ist Name, Untersuchungssubjekt und -objekt zugleich: Raumkapital betrachtet das Kapital geographischer und sozialer Räume, also von Stadteilen, Städten, Regionen und Nationalstaaten, aber auch von funktionalen oder wahrgenommenen Räumen, Netzwerken und Clustern. Leitgedanke des Forschungsbereichs ist, dass Räume spezifische Potenziale (Raumkapital) haben und Akteure, Kompetenzen, Kulturen, Institutionen und Ressourcen (Raumkapital) benötigen, um diese zu nutzen und weiterzuentwickeln. Raumkapital ist ebenso das sich aus einer räumlichen Nähe in Form sozialer Proximität und Vertrauensstrukturen ergebende Potenzial. Raumkapital setzt damit an der Begrifflichkeit des endogenen Potenzials an, erweitert diese um die räumlich-relationale Dimension und das Umsetzungskapital (z.B. monetäres Kapital und Institutionen), das zur Aktivierung der regionalen Potenziale nötig ist.

Für eine zukunftsfähige Raumpolitik ist es zentral, das tatsächlich vorhandene Raumkapital zu erkennen, die Akteure zu befähigen dies inwertzusetzen und ein eigenständiges regionales Profil herauszubilden. Durch die oft an allgemeinen Moden und Trends orientierte regionale Struktur- und Standortpolitik wird das spezifische Raumkapital zu selten als Potenzial wahrgenommen. Da häufig analytisch an einem tradierten Raumbild einer politisch-administrativ geformten Region (z.B. Städte und Kreise) festgehalten wird, wird das spezifische Raumkapital funktional bzw. sozial gebildeter Territorien teilweise übersehen. Das Nutzen spezifischen Raumkapitals erfordert individuelle Lösungen statt einheitlicher Industrie- oder Infrastrukturförderung.

Der neue Forschungsbereich versteht Raumkapital als

…(wirtschaftliche) Kompetenzen, bauliche und landschaftliche Ressourcen, Governance-Strukturen, Netzwerke, Ideen, Werte, Einstellungen, Atmosphären, Identitäten, Images und Akteure in Regionen, Städten oder Stadtteilen. Raumkapital kann aber gerade auch aus vordergründig negativen Aspekten abgeleitet werden, wenn z.B. im Rahmen einer demographisch und ökonomisch schrumpfenden Entwicklung Gebäude nicht mehr genutzt werden und dadurch Freiräume für neue Nutzungen entstehen.

…das, was sichtbar wird, wenn Raum sozial bzw. funktional (Raumschichten) und zunächst einmal unabhängig von administrativ-politischen Grenzen verstanden wird. Analytisch und konzeptionell sollen neue raumwissenschaftliche Konzepte, die mit abstrakten relationalen Raumbegriffen arbeiten, erforscht und auf die Standortentwicklung und regionale Strukturpolitik bezogen werden.

…soziale Proximität, Vertrauens- und Wissensressource für Unternehmen, Organisationen und Politik. So geht es beispielsweise um die Frage, ob die räumliche Dimension stärkere Berücksichtigung in der ordnungspolitischen Debatte um Marktversagen und die Legitimation staatlichen Handelns finden sollte.

…in der Region vorhandenes monetäres Kapital, in Form der kreditwirtschaftlichen Versorgung und des regionalen Haltevermögens von Geld und Fördermitteln. Monetäres Kapital ist notwendig, um eine nachhaltige Rendite des regionales Raumkapitals zu erzielen.

…Daseinsvorsorge und Instrumente, die zugleich Raumkapital und Voraussetzung zur Entfaltung von Raumkapital sind. Daseinsvorsorge sollte aktivierend, steuernd und koordinierend wirken und den individuellen Bedürfnissen der regionalen Bevölkerung Rechnung tragen.

Die Aktivierung aller vorhandenen Raumkapitale setzt Chancengleichheit voraus, muss aber nicht bedeuten, in allen Regionen gleiche Lebensbedingungen zu schaffen. Vielmehr geht es darum, ein Raumleitbild zu definieren, das differenzierte Raumfunktionen zulässt, Gleichwertigkeit qualitativ versteht, eine dauerhafte Teilhabe ermöglicht und regionale Krisenkreisläufe verhindert.