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Bildungsbeteiligung im Ruhrgebiet

Bildungsbeteiligung im Ruhrgebiet: auf der Suche nach einer neuen Kompensatorik. Essen: Projekt Ruhr

Altgeld, Karin / Büttner, Renate / Dobischat, Rolf / Evans, Michaela / Harney, Klaus / Hilbert, Josef / Knuth, Matthias / Koch, Frank / Langer, Dirk / Roß, Ruth / Stender, Axel / Weiß, Walter

Vorwort

Das Thema Bildung steht zur Zeit ganz oben auf der politischen Agenda. Studien wie PISA und IGLU haben die Notwendigkeit aufgezeigt, in der Bildungspolitik neue Wege zu gehen. Die vorliegende Studie liefert erstmalig auf das Ruhrgebiet bezogene Analysen zur Bildungsbeteiligung und endet mit dem Plädoyer für eine “Neue Kompensatorik”.

Die Ergebnisse zeigen, dass das Bildungsniveau im Ruhrgebiet nicht niedriger ist als in anderen Regionen Nordrhein-Westfalens bzw. Deutschlands; die großen Unterschiede liegen intraregional auf kommunaler und sogar auf Stadtteil-Ebene. Insbesondere in “schwierigen” Stadtteilen haben Kinder und Jugendliche weniger Chancen auf eine erfolgreiche Bildungskarriere: Arbeitslosigkeit, Armut, Sprachbarrieren und fehlende zivilgesellschaftliche Strukturen tragen dazu bei, dass sie nicht mehr die erforderlichen sprachlichen, sozialen und motivationalen Voraussetzungen für einen gelingenden Bildungseinstieg haben. Die Studie weist nach, dass die derzeitigen Regelinstitutionen und Unterstützungsangebote nicht mehr ausreichen, um Chancengleichheit in allen Stadtteilen herzustellen. Die vehementeste Forderung der Autorinnen und Autoren ist deshalb die Debatte um eine “Neue Kompensatorik”, die ungleiche Lebensbedingungen nicht länger gleich behandelt. Ressourcen des Bildungssystems, Förderprogramme und Projekte müssen vielmehr gezielt in diese Stadtteile umverteilt werden, um deren Benachteiligung nicht weiter zu zementieren.

Die Studie zeigt deutlich, dass eine “kompensatorische Bildungspolitik” den Strukturwandel im Ruhrgebiet unterstützt, wenn sie gleiche Chancen für alle Kinder und Jugendliche ermöglicht, Übergänge im Bildungssystem erleichtert und Jugendliche zielgerichtet auf zukunftsfähige Berufe vorbereitet. Dabei darf Bildungspolitik aber nie isoliert betrachtet werden, sondern muss mit anderen Politikfeldern wie Wirtschaft, Arbeitsmarkt oder Stadtteilentwicklung vernetzt werden. Vernetzung ist auch bei den Akteuren des Bildungswesens geboten. Das Ruhrgebiet kann nur dann zu einer lernenden Region werden, wenn Land, Kommunen, Bildungsträger, Gewerkschaften und auch die Wirtschaft an einem Strang ziehen. Der demografische Wandel verschärft die Notwendigkeit des Zusammenrückens. Und auch die überall knapper werdenden Kassen reden der Effizienzsteigerung das Wort.

Letztlich aber wird eine kompensatorische Bildungspolitik unsere Haushalte deshalb entlasten, weil sie mehr Menschen eine eigenständige und eigenfinanzierte Lebensführung ermöglicht. Dies muss das Ziel all unserer Bemühungen im Strukturwandel sein.

Essen im Oktober 2003

|{width: 250px}. Hanns-Ludwig Brauser | Andrea Hankeln/Barbara König |
| (Geschäftsführer der Projekt Ruhr GmbH) |{text-align: right}. (Projektmanagement) |