Titelbild

Produktion zurück ins Quartier? - Neue Arbeitsorte in der gemischten Stadt / ProZuQua

Ausgangslage

Seit Jahren ist Funktionsmischung ein wichtiges Element einer nachhaltigen Stadtentwicklung und einer Stadt der kurzen Wege. Die tatsächliche Entwicklung unserer Städte ist jedoch weiterhin durch die Funktionstrennung geprägt. Mit dem kontinuierlichen Rückzug von Produktionsbetrieben aus den gemischt strukturierten Gebieten ist immer auch der Verlust von wohnstandortnahen Arbeitsplätzen verbunden, es entstehen weite Wege zur Arbeitsstelle, wertvolle Fläche wird verbraucht und Umweltbelastungen werden erhöht. Nicht nur sind die Produktionsstandorte aufgrund der damit verbundenen Belastungen aus den innerstädtischen Bereichen verschwunden, sondern aufgrund struktureller (technologischer) Veränderungen bzw. Brüche kam es ferner zu einem Abbau von sogenannten Einfacharbeitsplätzen.

Davon ist Nordrhein-Westfalen vor allem in seinen altindustriellen Agglomerationen in besonderer Weise betroffen. Verschiedene strukturpolitische Programme und Programme der Städterbauförderung bzw. Stadterneuerung versuchen, diesen Missstand zu überwinden. Stadterneuerungsprogramme wurden vor allem seit den 1990er Jahren durch stadtteilökonomische Ansätze bzw. Lokale-Ökonomie-Maßnahmen ergänzt. Die staatliche Intervention soll dabei an den vor Ort vorhandenen endogenen Potenzialen ansetzen, eigendynamische Prozesse in Gang setzen und ökonomische Abwärtsspiralen durchbrechen.

Im Zuge des Strukturwandels haben sich aber auch neue Branchen und Querschnittssektoren herausdifferenziert, von denen urbane Quartiere profitieren können.

Hier bieten sich durch die Verlängerung der Wertschöpfungskette im Bereich „Urbane Produktion“ und durch neue Tätigkeiten im produzierenden Sektor neue und andere Arbeitsplatzpotenziale. Davon können insbesondere – aber nicht nur – altindustrielle vom Strukturwandel betroffene Quartiere, die über die entsprechenden Flächenpotenziale verfügen, besonders profitieren. Urbane Produktion hat (noch) keine allgemeingültige Definition. Wir verstehen darunter zunächst einmal „die Herstellung von Gütern und Dienstleistungen, die in lokal eingebetteten Wertschöpfungsketten entstehen oder in unmittelbarer Nähe zum Wohnort. Innovative Technologien und Werkstoffe schaffen dabei neue Möglichkeiten zur Herstellung individueller und lokaler Produkte in kleine Skalen“. Auch wenn Beispiele wie „Lokal Motors“ in den USA und die „Wittenstein AG“ in Baden-Württemberg demonstrieren, dass wohnortnahe Produktion auch großbetrieblich strukturiert sein kann, fokussieren wir uns auf kleine und mittlere Betriebe, wobei wir ein besonderes Augenmerk auf Kleinstbetriebe legen.

Die große Bandbreite Urbaner Produktion wird durch die Verschneidung unterschiedlicher Arbeits-, Betriebs, Produktions- und Unternehmensformen deutlich. Daraus ergeben sich beispielsweise die folgenden Arten Urbaner Produktion:

-          Handwerksbetriebe

-          Sozialorientierte Betriebe

-          Ethnobetriebe

-          Technobetriebe

-          Foodbetriebe

-          Spezialbetriebe

-          Homepreneur_innen

 

Zielsetzung

Im Rahmen des geplanten Forschungsgutachtens werden im Wesentlichen die Möglichkeiten der Stabilisierung, Revitalisierung und Urbanisierung kleinerer innerstädtischer Gewerbestandorte aufgezeigt.

 Dabei werden

  • die aktuellen Entwicklungen für stadtaffines Gewerbe und Urbane Produktion in gemischten Stadtquartieren (und darüber hinaus) untersucht,
  • die künftigen Entwicklungspotenziale in gemischt genutzten Strukturen und ihre Raumbedarfe abgeschätzt,
  • die Ansiedlungswünsche, Raumbedarfe und Unterstützungsbedarfe der Akteure analysiert,
  • auf der Basis der Analyse von nordrhein-westfälischen und weiteren Fallbeispielen die Funktionsweise (Entstehungsbiographien, Geschäftsmodelle, Nutzungskonflikte etc.) Urbaner Produktion herausgearbeitet
  • und mit Hilfe einer Befragung aller nordrhein-westfälischen Großstädte die strategischen Überlegungen der Städte (Stadtplanung und Wirtschaftsförderung) ermittelt und analysiert.

Zusätzlich wird der Mehrwert für die Entwicklung gemischter Stadtquartiere und für die Stadt als Arbeitsort, insbesondere auch für sogenannte Einfacharbeitsplätze, herausgearbeitet. Ergänzend wird das Gutachten auf die Regelungsbedarfe und Handlungsempfehlungen für die Kommunen und das Land eingehen.

Um das Zusammenspiel Urbaner Produktion zu erfassen, sollen die Makroebene (Gesamtstadt), die Mesoebene (das Quartier) sowie die Mikroebene (Standort, Gebiet, Unternehmen) untersucht werden.

Vorgehen

Die Studie ist in drei aufeinander aufbauende Arbeitspakete gegliedert.

-          Erstens wird die Ausgangslage Urbaner Produktion im Quartier betrachtet. Dies geschieht anhand einer Literaturanalyse, der Erstellung von 29 Steckbriefen über die Großstädte NRWs, eine Gebietstypisierung und planungs- und immisionsschutzrechtliche Analyse sowie leitfadengestützte Telefoninterviews mit entscheidungstragenden kommunalen Akteuren aus dem Ressort Stadtentwicklung (und ergänzend aus dem Ressort Wirtschaftsförderung) aller 29 Großstädte NRWs.

-          Im zweiten Arbeitspaket werden die Anforderungen für Urbane Produktion im Quartier untersucht. Dazu werden zehn Fallstudien ausgewählt, drei fokussierte Gruppengespräche mit Akteuren unterschiedlicher Expertise geführt und zu verschiedenen explorativen Szenarien weiterentwickelt.

-          Das letzte Arbeitspaket umfasst die Veröffentlichung der Ergebnisse.

 

Das Forschungsgutachten wird im Auftrag des Ministeriums für Bauen, Wohnen, Stadtentwicklung und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen vom IAT und der StadtRaumKonzept GmbH durchgeführt.

Weitere Projekte


Die Stadt Gelsenkirchen hat mit dem Beitrag „Lernende Stadt – Bildung und Partizipation als Strategien sozialräumlicher Entwicklung“ die zweite Stufe...
Mehr

Methodisch erschließt das Projekt die Transaktionsdaten des Private-Equity-Marktes, die von den Informationsdienstleistern...
Mehr