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Varietät im Bankenwesen? Ein Vergleich der Unternehmensfinanzierung regionalorientierter Banken und Großbanken in Deutschland / VoB

Ziel und Aufgabenstellung

Die Bankenwirtschaft vermittelt als Intermediär Kapital zwischen Anlegern und Kapitalnehmern. Sie überwindet hierdurch Informationsasymmetrien, transformiert Losgrößen, Fristigkeiten und diversifiziert Risiken und steuert so die Wirtschaftsentwicklung maßgeblich mit. Banken standen im Zentrum der globalen Finanzkrise von 2007 und sind für Fehlinvestitionen in Billionenhöhe mitverantwortlich (z.B. Turner et al. 2010). Ziel des Promotionsvorhabens ist es, einen Beitrag zur Frage zu leisten, wie die Bankenwirtschaft die Kapitalvermittlung so steuern kann, dass eine dauerhafte wirtschaftliche Entwicklung gefördert und umfangreiche Fehlinvestitionen vermieden werden können.
Die Varietät im Bankenwesen ist Gegenstand jüngerer Forschung geworden (z.B. Ayadi et al. 2009, 2010; Hardie und Howarth 2011; Gärtner und Flögel 2012). Es lassen sich unterschiedliche Bankentypen und Kreditvergabetechnologien bestimmen, die mit Vor- und Nachteilen verbunden sind (z.B. Udell 2008). Das deutsche Bankensystem zeichnet sich durch eine hohe Vielfalt an Banken aus, wobei im internationalen Vergleich die Anzahl und Bedeutung regionaler Banken (Sparkassen und Genossenschaftsbanken, aber auch einige privatwirtschaftliche Regionalbanken) auffällig sind. Während kleine und regionale Banken aufgrund ihrer räumlichen Nähe als geeignet für die Finanzierung kleiner Unternehmen gelten (z.B. Berger et al. 2005; Gärtner 2008; Alessandrini et al. 2010), werden Großbanken Effizienzvorteile und Spezialwissen (spezielle Finanzprodukte, sektorale Kompetenz) attestiert (z.B. Udell 2008). Vor dem Hintergrund der Standardisierung (Stichwort Kreditscoring) und der Bankenregulierung (Stichwort Baseler Akkorde) ist es jedoch unklar, in wieweit noch von Varietät im Bankenwesen ausgegangen werden kann. 
Worin unterscheidet sich die Unternehmenskreditvergabe regionaler Banken und Großbanken in der Praxis? Welche Auswirkungen haben die Kreditvergabepraktiken auf die Finanzierung kleiner und mittlerer Unternehmen (KMU)? Diese Fragen möchte das Promotionsprojekt aus einer räumlichen Perspektive untersuchen.

Vorgehen

Zur Beantwortung der Fragen wird die Finanzintermediation von regionalen Banken und Großbanken für die KMU-Finanzierung vergleichend analysiert. Hierbei soll ein Methodenmix eingesetzt und mit statistischen Methoden zunächst die Kreditvergabe bzw. Unternehmensfinanzierung der gegenübergestellten Bankengruppen untersucht werden. Für ausgewählte Banken werden folgende Fallstudien erarbeitet. Es ist geplant, Experteninterviews mit allen an der Kreditvergabe beteiligten Personen und Abteilugen durchzuführen und auch Akteure zu befragen, die indirekt an der Kreditvergabe beteiligt sind. Hierzu zählen etwa Regulierungsbehörden und die Entwicklungsabteilungen von Ratingsystemen. Ferner sollen nach Möglichkeit ethnographische Methoden eingesetzt werden.
Die Promotion wird betreut durch Prof. Dr. Hans-Martin Zademach (Professor für Wirtschaftsgeographie an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt). Am Institut Arbeit und Technik übernimmt Dr. Stefan Gärtner die Betreuung. Das Promotionsvorhaben ist gefördert durch die Studienstiftung des deutschen Volkes.