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Achieve More / ACHIEVE More

Ziel und Aufgabenstellung

Vor dem Hintergrund, dass Innovationen im Dienstleistungssektor als einer der zentralen Treiber für die Wettbewerbsfähigkeit Europas angesehen werden, hat die Europäische Kommission im September 2006 bekannt gegeben, künftig einen stärker aktiven Ansatz bei der Entwicklung und Unterstützung junger, innovativer kleiner und mittelständischer Unternehmen (KMU) im Dienstleistungssektor zu verfolgen. Trotz der besonderen Relevanz, der dem Sektor bereits seit einigen Jahren beigemessen wird, zeigen sich in Europa nach wie vor erhebliche Defizite in Bezug auf Bahn brechende Innovationen, die die Gründung einer höheren Anzahl schnell wachsender Unternehmen1 mit internationaler Ausstrahlungskraft stimulieren würden.

Ein Grund hierfür wird darin gesehen, dass die F&E Investitionen im Dienstleitungssektor deutlich niedriger ausfallen als zum Beispiel im produzierenden Gewerbe. Darüber hinaus existieren nur wenige innovationspolitische Maßnahmen, die explizit die Bedarfe dieses Sektors und insbesondere der schnell wachsenden Unternehmen adressieren. Insofern scheint eine Neujustierung der Innovationspolitik in Richtung Dienstleistungen erforderlich. Zwar sind erste Anzeichen hierfür sichtbar, so wurden kürzlich in einigen Mitgliedstaaten innovationspolitische Initiativen eingeleitet bzw. befinden sich aktuell in der Planung, diese können allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass nach wie vor die Förderung technologieorientierter Innovationen im Mittelpunkt innovationspolitischer Maßnahmen steht. Grundlage hierfür bildet vielfach ein lineares Verständnis vom Innovationsprozess, das unterstellt, dass Innovationen durch neue forschungsbasierte Technologien getrieben werden. Im Gegensatz dazu sind Innovationen im Dienstleistungssektor weniger durch technologische als vielmehr durch organisatorische Veränderungsprozesse und Faktoren wie Humankapital geprägt. Zumindest partiell steht demgegenüber die Annahme, dass Unternehmen, die in der Lage sind technologische und nicht-technologische (organisationale) Innovationen miteinander zu verbinden, innovativer sind und ihre F&E Investitionen sich amortisieren können. Ingesamt sind Innovationen im Dienstleistungssektor auf der europäischen Ebene bisher wenig erforscht und verstanden in Bezug auf den erforderlichen Bedarf an Interventionen und Unterstützung.

Die Europäische Kommission begegnete diesen Problemen mit der Einrichtung einer so genannten KIS Innovation Platform”. Ziel dieser Plattform ist es, gleichermaßen technologische und organisationale Innovationen im Dienstleistungssektor unter Berücksichtigung des Zusammenspiels von Forschung, Kompetenzen/Fähigkeiten, Unternehmen, Finanzen und Clustern zu fördern.

Ausgehend von der zuvor beschriebenen Problemlage adressierte das Projekte ACHIEVE More – Enabling the Success of Entrepreneurship and Innovation through Incubation and Clustering die Barrieren und Herausforderung bei der Entstehung und Entwicklung “Wissensintensiver Dienstleistungsunternehmen” (sog. Knowledge Intensive Services – KIS ventures) im Software Sektor.

Gefördert wurde das 36-monatige Projekt mit 11 Partnern aus fünf Ländern von der Europäischen Kommission unter dem “Competitiveness and Innovation Programme” (CIP) im Rahmen der Initiative Europe INNOVA.

Abbildung Achieve More Bild 1

Als eines von drei Projekten der KIS Platform zielte ACHIEVE More darauf ab, Instrumente zu entwickeln und zu implementieren, die Innovationsdynamik und das Unternehmenswachstum durch die engere Verknüpfung von Prozessen der Wissensgenerierung, Zugang zu Finanzmitteln und Clustern sowie Unterstützungsdienstleistungen (bussiness incubation) befördern.

Konkret zielte das Projekt darauf ab, – einen innovativen Instrumentenkasten für die Unterstützung junger innovativer wissensintensiver Dienstleistungsunternehmen im Software Sektor zu entwickeln, zu testen und zu implementieren,

  • den Zugang zu Kapital in einer frühen Phase der Unternehmensentwicklung durch die Einrichtung von Finanzierungsinstrumenten wie (Seed Funds)2 und (PoC Funds)3 zu erleichtern,
  • die Vernetzung mit Clustern und anderen europäischen Netzwerken zu fördern, um so Zugang zu Wissensresourcen und Märkten zu ebenen und
  • einen Beitrag zur Ausgestaltung der europäischen Innovationspolitik in Hinblick auf den Dienstleistungssektor zu leisten.

Vorgehen

Die Projektziele wurden durch eine Reihe von Maßnahmen realisiert , die in acht Arbeitspakete zusammengefasst wurden. Diese Aktivitäten umfassten:

  • den Aufbau und die Koordination des ACHIEVE More Netzwerks aus rund 50 europäischen IKTUnternehmensinkubatoren, 5 führenden Investmentorganisationen und bis zu 15 Clustern mit direktem Zugang zu etwa 400 kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) mit hohem Wachstumspotenzial,
  • die Verdichtung von Wissen, Expertise, guter Praxis sowie Auswertung bisheriger Ergebnisse aus abgeschlossenen und laufenden EU Projekten und Initiativen wie ACHIEVENICE, Paxis, Gate2Growth, ProINNO zum Aufbau einer innovativen interaktiven Plattform “Entrepreneurship & Innovation” in den Themenbereichen Unternehmenssupport, Zugang zu Kapital und Vernetzung mit Clustern,
  • die Definition und Durchführung von Programmen zur Finanzierung von wissensintensiven Dienstleistungsunternehmen im Softwaresektor,
  • die aktive Vermarktung des Instrumentariums und der Ergebnisse durch das Netzwerk mit dem Ziel einer breiten Anwendung desselben sowie
  • die kontinuierliche Evaluation der Projektergebnisse bezüglich deren potenzieller Auswirkungen auf die Politik und als Grundlage für die Diskussion mit der Europäischen Kommission.

Im Mittelpunkt des Projekts stand der Entrepreneurship und Innovationsaustausch (“Entrepreneurship & Innovation Exchange”; kurz: E&I Exchange). Ziel war es einen hoch innovativen, interaktiven und strategisch ausgerichteten Unterstützungsmechanismus zu entwickeln. Mit Hilfe des E&I Exchange wurde die europaweite Bereitstellung und Implementierung der entwickelten Instrumente, Ergebnisse und verschiedenen Bewertungsprogramme sichergestellt. Adressaten der Plattform waren gleichermaßen Einrichtungen die Unternehmen in ihrer Entwicklung unterstützen, die Unternehmen selber und Cluster.

Abbildung Achieve More Bild 2

Das IAT war federführend verantwortlich für das Arbeitspaket “Zugang zu Clustern” (WP6). Cluster werden in diesem Kontext verstanden als Knotenpunkte innerhalb eines Sektors, an dem Unternehmen, Forschungseinrichtungen und die öffentliche Hand vernetzt sind, zusammenarbeiten sowie Wissen und Erfahrungen austauschten. Cluster bieten Unternehmen im Idealfall ein innovatives und wettbewerbsfähiges Umfeld, das gleichermaßen die Unternehmensentwicklung und die wirtschaftliche Entwicklung der Region positiv beeinflussen. Vor dem Hintergrund, dass Cluster in der Regel einen regionalen Fokus aufweisen, profitieren lediglich die Unternehmen in den jeweiligen Regionen von den positiven Effekten. Für Unternehmen, insbesondereKMU und Unternehmen in Gründung, die nicht in der entsprechenden Region angesiedelt sind, erweist es sich nach wie vor als schwierig, Zugang zu den Clustern zu bekommen. Des Weiteren kommen die mit Clustern assoziierten positiven Wirkungen infolge einer unzureichenden transnationalen Zusammenarbeit von Clustern unterschiedlicher Sektoren nicht voll zum Tragen. So bilden transnationale Cluster Allianzen in Europa immer noch die Ausnahme.

Vor diesem Hintergrund zielte das Arbeitspaket 6 darauf ab, wissensintensiven Softwareunternehmen mit Hilfe des ACHIEVEMORE Netwerks den Zugang zu relevanten Clustern und Netzwerken auf der europäischen Ebene zu erleichtern, um ihnen die Suche nach neuen Forschungsergebnissen und Geschäftspartners zu ermöglichen. Realisiert wurde dies durch die Entwicklung einer praktikablen Vorgehensweise.

Konkret wurden folgende Aktivitäten im Rahmen des Arbeitspakets durchgeführt:

6.1. Cluster Mapping: Im ersten Arbeitsschritt galt es auf Basis von Sekundäranalysen, eigenen Erhebungen und der Ergebnisauswertung früherer Cluster Vernetzungsinitiativen “innovative Cluster” in Europa zu identifizieren und deren Relevanz für die definierte Gruppe von KIS Unternehmen zu ermitteln. Die so identifizierten Cluster wurden dann in Bezug auf ihre Eignung für Vernetzungsaktivitäten in Abhängigkeit von der Position des jeweiligen Clusters im Lebenszyklus untersucht und klassifiziert. Die Differenzierung zwischen innovativen und nicht bzw. weniger innovativen Clustern ist vor dem Hintergrund, dass das Projekt NICE – Networking ICT Cluster in Europe gezeigt hat, dass die Clusterzugehörigkeit eines Unternehmens keineswegs eine aktive Teilnahme an gemeinsamen F&E Aktivitäten impliziert – und dies gilt in besonderem Maße für KMU im Hochtechnologiesektor – zentral. Erst durch eine derartigeDifferenzierung war es möglich, gute Praxis in Bezug auf ein innovatives Umfeld zu identifizieren. Die Ergebnisse wurden in die E&I Exchange Plattform eingespeist.
6.2. Zugang zu Clustern: Basierend auf den Untersuchungsergebnissen wurden einige Instrumente und Vorgehensweisen für den Zugang zu Clustern mit ausgewählten Clustern und KIS Unternehmen erprobt. Hierzu zählten u.a. thematische Clusterbesuche durch Cluster Manager aus anderen Regionen, Unternehmensbesuche seitens der KIS Unternehmen etc.
6.3. E&I Exchange: Veröffentlichung der Ergebnisse über die E&I Exchange Plattform, durch Publikationen und die Durchführung von Workshops des ACHIEVE More Netzwerks.

1 Unter schnell wachsenden Unternehmen wurden in diesem Zusammen solche Firmen verstanden, deren reale bzw. erwartete Wachstumsraten die durchschnittlichen Wachstumsraten innerhalb des Sektors oder das Wirtschaftswachstum insgesamt signifikant übersteigen.

2 Seed Funds finanzierten Produktinnovationen oder Geschäftsideen, die noch keine Marktreife erlangt haben und für die in der Regel noch kein Business Plan vorliegt.

3 PoC(=Proof of Concept) Funds finanzierten in der Regel das Prototyping und die Akzeptanztests einer Innovation.

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