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Innovationsbiographien in der Bauwirtschaft / BAU

Ziel und Aufgabenstellung

Das Ziel des Projekts bestand darin, neue Erkenntnisse über den Ablauf von Innovationen in der Bauwirtschaft zu gewinnen. Zu diesem Zweck wurde eine Analyse vor allem des internationalen Forschungsstands erarbeitet und es wurden zehn Innovationsbiographien durchgeführt. Zuwendungsgeber war das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung im Rahmen der Forschungsinitiative Zukunft Bau. Der Anlass war zum einen der strukturelle Umbruch, in dem sich die Bauwirtschaft befindet. Dazu gehören Veränderungen durch den demographischen Wandel, ein gestiegenes Bewusstsein für nachhaltiges Bauen und eine energieeffiziente Nutzung, die Öffnung internationaler Märkte, ein wachsender Druck auf das Regulierungssystem, wie auch die Finanzierungsbedingungen der Unternehmen. Außerdem – so die These des Projekts – fließen Innovationen aufgrund der projektbasierten Struktur nicht als Erfahrung in ein nächstes Projekt ein, was die Ursache dafür ist, dass Innovationen nur mangelhaft diffundieren. Diese Problematik wird auch als “innovation gap” bezeichnet.

Mit Innovationsbiographien wird dem prozesshaften und vernetzten Charakter von Innovationen Rechnung getragen. Es ging vor allem darum, Innovationsprozesse auf der inner- und auf der zwischenbetrieblichen Ebene zu erfassen sowie die Verbreitung von Innovationen innerhalb der Wertschöpfungskette herauszuarbeiten. Im Mittelpunkt standen dabei die für die Innovation zentralen Akteure, organisatorische und soziale Aspekte, die die Entwicklung und Diffusion von Innovationen beeinflussen, sowie die Innovationshemmnisse. Abgedeckt wurden Innovationen, die ihre Ursprünge in verschiedenen Bereichen der Wertschöpfungskette haben: Ingenieurbau, Baumaschinen, Baustoffe, Ausbaugewerbe und Bauhauptgewerbe.

Insgesamt wurde deutlich, dass sich Innovationen in der Bauwirtschaft von anderen Industriesektoren und von Dienstleistungsbereichen unterscheiden. Sie sind stark prozessorientiert, inkrementell, oft auf ein spezifisches, kurzfristig zu lösendes Problem bezogen. Sie sind damit auch wenig “sichtbar” und vor allem schlagen sie sich nicht in den gängigen Indikatoren zu Innovationsfähigkeit (Patente, FuE-Beschäftigte) nieder. Ihre Stärke liegt in der Umsetzung, und damit sind sie in der Lage, eine Leitfunktion bei der Nutzung von Innovationen für die Entwicklung eines nachhaltigen, qualitativ hochwertigen Lebensumfelds zu übernehmen.

Bezogen auf den Innovationsprozess zeigen die Innovationsbiographien, dass

  • das herausragende Motiv für Innovationen seitens der Unternehmen darin besteht, interne Prozesse und Verfahren zu optimieren um Kosten einzusparen, sich aber auch von anderen Unternehmen zu unterscheiden;

  • Kunden und Regulierungen für Innovationen wichtig, aber nicht immer förderlich sind;

  • der Erfolg und die Diffusion von Innovationen oft von günstigen zeitlich-räumlichen Rahmenbedingungen abhängen;

  • Entrepreneurship und qualifizierte Beschäftige für innovative Unternehmen zentral sind;

  • der organisatorische Rahmen von Innovationen, vor allem auch die Dokumentation von neuen Problemlösungen relativ schwach entwickelt ist, damit auch in einzelnen Projekten durchgeführte Innovationen immer wieder drohen, vergessen zu werden;

  • Innovationen durchgehend im Rahmen inner- und zwischenbetrieblicher Netzwerke durchgeführt werden;

  • Kooperations- und Kommunikationsfähigkeit gerade auch gewerke- und spartenübergreifend wesentliche Voraussetzung für die Entstehung und die Diffusion von Innovationen darstellt;

  • genau in den Abgrenzungen der Gewerke und Sparten aber auch immer noch wesentliche Hemmnisse vor allem für die Diffusion von Innovationen liegen;

  • Lernprozesse daher eher auf einzelbetrieblicher Ebene als auf der Ebene der Wertschöpfungskette zu finden sind;

  • die Diffusionskanäle je nach Motivationslage der Unternehmen (Innovation als zu schützender Wettbewerbungsvorsprung oder Innovation als breit zu kommunizierender Marketingfaktor) sehr unterschiedlich sind.

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