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Sparkassen als strukturpolitische Institutionen: Ein Beitrag zur raumwirtschaftlichen und regionalökonomischen Diskussion / SPK-Regio

Ziel und Aufgabenstellung

Strukturpolitik – eine traditionell ausgleichsorientierte Politik – orientiert sich, zum Beispiel in Form des Clusterkonzepts, zunehmend an wettbewerbsfähigen Kompetenzen und trägt somit zu einer Konzentration und Spezialisierung ökonomischer Aktivitäten im Raum bei. Obwohl gesamtwirtschaftlich sinnvoll, besteht ein Konfliktfeld, da nicht alle Regionen über wettbewerbsfähige Kompetenzen verfügen. Die in Deutschland in allen Regionen ansässigen Sparkassen unterstützen die Entwicklung regionaler Kompetenzen und tragen zugleich zu einer ausgeglichenen regionalen Entwicklung bei, da sie ubiquitär Bankdienstleistungen bereitstellen und durch das Regionalprinzip an die jeweiligen Regionen gebunden sind.

Das aus drei Modulen bestehende Forschungsprojekt untersuchte im Auftrag der “Wissenschaftsförderung der Sparkassen-Finanzgruppe e.V.” die Folgen einer Neuausrichtung der Strukturpolitik und die Rolle der Sparkassen im Rahmen einer wachstums- und zugleich ausgleichsorientierten Strukturpolitik.

Die Betrachtung aus dem Blickwinkel der kommunalen Sparkassen ist aus mehreren Gründen von besonderem Interesse: Erstens unterstützen Sparkassen die Regionen und Kommunen bei der Umsetzung ihrer strukturpolitischen Konzepte. Sie können als Katalysatoren fungieren, indem sie die Förderung endogener Kompetenzen vorantreiben und somit zu einer regionalen Spezialisierung beitragen. Zweitens wirken sie ausgleichend, indem sie – bedingt durch das Regionalprinzip – Entzugseffekte vermindern, Regionen entwickeln und eine Bankeninfrastruktur ubiquitär bereitstellen. Damit fördern sie zugleich die nicht exportorientierten lokalen Basisbranchen und tragen zur Verbesserung der Lebensqualität bei.

Die regionale Verantwortung, die Sparkassen für die Region übernehmen, ist Teil der betriebswirtschaftlichen Kalkulation und stellt sich durchaus reziprok dar, denn das Regionalprinzip bindet sie an die Region. Ihnen bleibt keine Alternative zur eigenen Region. Dementsprechend lautet der allgemeine Lehrsatz der Sparkassen, “wenn es der Region gut geht, geht es auch den Sparkassen gut”. Aber gilt dieser Satz auch umgekehrt: Geht es der Sparkasse wirtschaftlich schlecht, wenn es der Region schlecht geht? Steuert das Regionalprinzip der Sparkassen, solange es keinen Finanzausgleich zwischen Instituten gibt, zwangsläufig auf einen regionalen Darwinismus zu? Führt die Verantwortung, die jede einzelne Sparkasse für die Region übernimmt, letztendlich zum Gegenteil einer ausgeglichenen Regionalentwicklung? So stellte sich im Rahmen des Projekts die Frage, ob der Ertrag der Sparkassen mit der regionalen Strukturstärke korreliert und ihr Beitrag für die regionale Entwicklung – da sie über das Regionalprinzip an die Region gebunden sind – in schwächeren Regionen langfristig geringer sein muss und daher die Gefahr besteht, dass sie tendenziell regionale Disparitäten erhöhen. Eine schlechtere Ertragslage hätte nicht nur Auswirkungen auf die Kreditverfügbarkeit, sondern auch auf das gesamte Engagement der Sparkassen für die regionale Entwicklung, was den öffentlichen ausgleichspolitischen Nutzen mindern würde.

Die Frage, welche Rolle an die Region gebundene Banken in Rahmen einer auf Wachstum und Ausgleich setzenden Strukturpolitik einnehmen und ob sie auch in schwachen Regionen hinreichend erfolgreich sein können, war Kern des Gutachtens.

Vorgehen

Methodisch basierte das Projekt, neben klassischen Instrumenten, wie der Auswertung von Literatur und der Durchführung von Expertengesprächen, auf einer Synthese von qualitativen und quantitativen Methoden. So wurden vier Regionen und ihre Sparkassen hinsichtlich der regionalen Situation, der Wirkungen der Strukturpolitik und der Rolle der Sparkassen analysiert und anhand empirisch-statistischen Verfahren die Grundgesamtheit aller Sparkassen in Deutschland und ihren Geschäftsgebieten hinsichtlich des Zusammenhangs zwischen regionalwirtschaftlicher Situation und dem betriebswirtschaftlichen Erfolg von Sparkassen sowie der Kreditvergabeanteile untersucht.

Ergebnisse

Bei Betrachtung der Zusammenhänge zwischen Sparkassenertrag und den Regionalindikatoren zeigte sich, dass Sparkassen auch in schwachen Regionen einen ausreichenden Ertrag erwirtschaften und somit zum regionalen Ausgleich beitragen können. Der Ertrag der Sparkassen in Ostdeutschland korreliert bei allen betrachteten Indikatoren leicht negativ mit der regionalwirtschaftlichen Situation, was bedeutet, dass Sparkassen in Ostdeutschland in strukturschwachen Regionen statistisch gesehen bessere Ertragsergebnisse erzielen. In Westdeutschland korreliert der Sparkassenertrag hingegen kaum mit der regionalwirtschaftlichen Situation, was bedeutet dass Sparkassen im Westen statistisch gesehen nur eingeschränkt von der regionalwirtschaftlichen Situation abhängig sind.

Die Befürchtung, dass die enge Bindung der Sparkassen durch die daraus resultierende Abhängigkeit von der regionalwirtschaftlichen Situation negative Auswirkungen für eine ausgeglichene Regionalentwicklung haben kann, wurde mit diesem Ergebnis ausgeräumt.

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